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23.03.2018 09:44 Alter: 31 days

Orte des Erinnerns

KunstRäume Krems

Die Veranstaltungsreihe KunstRäume 2018, konzipiert von Musikschuldirektor Hubert Poell und umgesetzt von der Musikschule Krems, richtet den Blick auf kulturelles Erbe in Form von multimedialen Konzerten an historischen Orten der Stadt Krems. Als Kooperationspartner und Unterstützer ist auch das Ernst Krenek Forum beteiligt.


Der Konzertabend am 20. Februar im ehemaligen Stadtkino, heute Ferdinand-Dinstl-Saal, widmete sich der Auseinandersetzung mit der regionalen Vergangenheit. Impulse für die zwei zentralen Aspekte der Veranstaltung ergaben sich aus der Lage des Konzertsaals direkt neben dem Bahnhof, der einerseits in der symbolischen und praktischen Dimension als Ort des Aufbruchs als auch in seiner konkreten Rolle im Zweiten Weltkrieg Stichworte für die Beiträge der Veranstaltung lieferte. Aus der Biographie Kreneks konnte der Archivar des Krenek Instituts, Clemens Zoidl, interessante Details zu diesem Spannungsfeld liefern, da Reisen sowohl in Kreneks Werken als auch in seinen Erinnerungen ein immer wieder berührtes Thema ist. Nicht zuletzt begann auch seine Emigration – eine unfreiwillige Reise – an einem Bahnhof. Musikalisch ergänzt wurden die Krenek-Ausführungen und -Anekdoten durch Stücke aus seiner School Music, die von Ensembles der Musikschule Krems vorgetragen wurden.


Am 1. März erklang in der Minoritenkirche in Krems das Adagio aus Kreneks selten gespieltem Concerto Grosso Nr. 1, neben Solaris von Martin Steinbatz, Hubert Poells DOMINI, Gerhard Rasdorfers Promises und Another World von Andreas See. Der Medienzweig des BORG Krems hatte sich im Vorfeld auf Spurensuche begeben und Geschichtliches wie auch Gegenwärtiges der Minoritenkirche und der Dominikanerkirche visuell dokumentiert. Die beiden geschichtsträchtigen Kirchen waren Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Themenfeld der Kultur im sakralen Raum.
Clemens Zoidl benutzte den thematischen Rahmen um sich mit Kreneks Einstellung zur Architektur auseinanderzusetzen. Krenek verzichtete zwar in seinen analytischen Beschreibungen weitestgehend auf die von anderen Musiktheoretikern gern verwendeten Architektur-Assoziationen, hatte aber große Faszination für die so unterschiedliche Gestaltung von Gebäuden, die er in seinen Wohnorten und auf seinen Reisen besichtigte: Er lobte Prag für seine seltenen Beispiele von gelungener Barockarchitektur, empfand Barcelonas Sagrada Familia ebenso sehr als Offenbarung von Genialität wie als Horror und war ausgerechnet von der bei Touristen so beliebten „nichtssagenden Stilmischung“ der Wiener Ringstraße enttäuscht. In seiner aufmerksamen Wahrnehmung von Architektur beobachtete er eine für ihn unbefriedigende Differenz zu seiner eigenen Profession: Während den österreichischen Architekten der 1930er Jahre in der Gestaltung von sakralen und anderen öffentlichen Gebäuden durchaus autonome Freiheit für künstlerische Weiterentwicklung gestattet wurde, nahm Krenek große Vorbehalte gegenüber sich und anderen Komponisten Neuer Musik wahr.


Die nächste Veranstaltung Kunst im Oktogon findet am 12. April in der Evangelischen Heilandskirche in Krems statt. Unter anderem wird Ernst Kreneks The Holy Ghost‘s Ark op. 91a zu hören sein und Clemens Zoidl wird dem thematischen Schwerpunkt des Abends entsprechend Kreneks Einstellung zur Mystik betrachten.