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25.08.2017 13:33 Alter: 89 days

Cefalo e Procri in Venedig

Kreneks Oper nach 83 Jahren wieder auf der Biennale

Am 29. September 2017 wird Ernst Kreneks Oper Cefalo e Procri op. 77 erstmals seit ihrer Uraufführung wieder auf der Bühne zu erleben sein. Als Auftragswerk des Internationalen Musikfestivals der Biennale von Venedig war sie am 15.9.1934 im Teatro Goldoni unter der Leitung von Hermann Scherchen aus der Taufe gehoben worden. Die Initiative für das Projekt war vom Komponisten Alfredo Casella ausgegangen, Kooperationspartner der Biennale sowie Kenner und Förderer der neuesten Musik. Casella hatte bereits in den 1920er Jahren Kreneks Streichquartette kennen und schätzen gelernt und im Zusammenhang mit seinen Aktivitäten für die Società Italiana Musica Contemporanea (SIMC) Krenek neben Strawinsky, Schönberg, Webern, Milhaud, Bartók als „einen der größten Namen der Zeitgenössischen Musik“ bezeichnet. Casella war es auch, der mit dem Programm der Musikbiennale die internationale musikalische Avantgarde nach Venedig holte – Krenek befand sich also in bester Gesellschaft.


Im Libretto von Rinaldo Küfferle gibt es – neben einigen der Dramatisierung und Verdichtung geschuldeten Änderungen – ein für Kenner der Ovid-Vorlage überraschendes Happy End. In einem Prolog schließen Aurora und Diana eine Wette, wer von ihnen Cephalus für sich gewinnen könne. Im ersten Bild versucht Aurora, Cephalus zu verführen. Als der standhaft bleibt, sät sie Zweifel an Procris’ Treue, die Cephalus seinerseits überprüft – mit für ihn unbefriedigendem Resultat. Das Paar trennt sich. Cephalus versteht die Welt nicht mehr und begibt sich auf die Suche nach der Sphinx in der Hoffnung, dass sie ihm das Geschehene enträtseln möge. Im zweiten Bild betet Procris zu Diana, ihrem Leben und damit dem Schmerz ein Ende zu bereiten. Diana empfindet Mitleid und lässt sie wissen, dass Cephalus gerade unter Auroras Einfluss stehe und sie es nicht persönlich nehmen möge. Diana übergibt Procris ihren Speer und den Hund Laelapus als Versöhnungsgeschenk für Cephalus. Der erscheint und berichtet von Ödipus und der Sphinx, die sich in dieser Geschichte jedoch nicht in den Tod gestürzt hat, sondern weiterhin ihr Unwesen treibt. Procris überreicht Dianas Geschenke und Cephalus hetzt auf die flüchtige Sphinx den Hund, der durch ihren Blick jedoch versteinert. Im dritten Bild begibt sich Cephalus nun selbst auf die Jagd nach der Sphinx, schleudert den Speer, der nur knapp Procris verfehlt, an einem Baum abprallt, von Diana jedoch aufgefangen wird, ehe er Cephalus treffen kann. Den abschließenden Streit zwischen Aurora und Diana über den Sieger in der Wette schlichtet Kronos: „Besiegt seid ihr beide in diesem Streiten, denn über Menschen und Zeiten herrscht Denken und Fühlen zu gleich und gleichem Teil. Nur im Maß allein ist Heil.“


Die Meinungen der Rezensenten über das Werk waren geteilt, doch die musikalische Ausführung unter Scherchen fand einhellig Lob. Krenek selbst erinnert sich in seinen Memoiren an Cefalo als einen kurzen und folgenlosen Ausflug in die italienische Oper. Und tatsächlich wurde Cefalo e Procri seit damals nie wieder aufgeführt.

Premiere am 29. September 2017, 19.00 Uhr, Teatro Malibran, Venedig
(Folgevorstellungen: 1.10.: 15.30 Uhr / 3. und 5.10.: 19.00 Uhr / 7.10.: 15.30 Uhr)

Karten: 35,- bis 143 EUR

Musikalische Leitung: Tito Ceccherini
Regie: Valentino Villa

Cefalo: Leonardo Cortellazzi
Crono: William Corrò
Procri: Silvia Frigato
Aurora: Cristina Baggio
Diana: Francesca Ascioti


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