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11.01.2017 21:41 Alter: 40 days

Rückblick: Das Krenek-Jahr 2016

Zunächst einmal die besten Wünsche für ein erfolgreiches, glückliches und vor allem gesundes 2017!

Ehe wir mit frischen Kräften die Herausforderungen des neuen Jahres angehen, sei noch ein kurzer Rückblick auf die Highlights des soeben zu Ende gegangenen Krenek-Jahres gestattet, das seinen Auftakt im Jänner mit einer sehr erfolgreichen Neuproduktion der Oper Jonny spielt auf am Theater Hagen hatte.
Februar und März standen dann ganz im Zeichen von Krenek, Weill und die Moderne, dem letztjährigen Motto des Kurt Weill Festes in Dessau, das neben einem Symposion zur Zeitgenossenschaft der beiden Komponisten und zahlreichen Kammer- und Orchesterkonzerten auch Kreneks Einakter Der Diktator am Anhaltischen Theater Dessau aufbot. Seit dem 20. Oktober ist in Dessau übrigens auch die Ausstellung Das verdächtige Saxophon – „Entartete Musik“ im NS-Staat zu sehen, eine kommentierte Rekonstruktion der Düsseldorfer Ausstellung von 1938. Ein schwarzer Jazzmusiker, Titelfigur von Kreneks Jonny spielt auf, galt dabei als Symbol von „Entartung“; der Judenstern im Knopfloch diente zusätzlicher rassistischer Diffamierung.
Im April wurde die Wanderausstellung Ich hab’ von dem fahrenden Zuge geträumt an der Hochschule für Musik in Rostock eröffnet, eine Veranstaltung, die gleichzeitig den Beginn einer Seminarreihe mit dem Titel Ernst Who?? markierte.
Im Rahmen der Wiener Festwochen war im Mai der Arnold Schoenberg Chor mit Kreneks sehr selten aufgeführter Lamentatio Jeremiae Prophetae op. 93 zu hören. Juni und Juli waren gut abgestimmt auf die Ferien- und damit Reisezeit: Das Reisebuch aus den österreichischen Alpen op. 62 stand bei Florian Boesch und Christian Koch in Köln, bei Wolfgang Holzmair und Siegfried Mauser im Rahmen des Carinthischen Sommers sowie beim Kremser Forumsspektakel 6 von Erwin Belakowitsch mit seinem Pianisten Christoph Berner auf dem Programm. Im Juli trat Gladys Nordenstrom Krenek ihre letzte große Reise an: Sie starb 92-jährig in ihrem Haus in Palm Springs, Kalifornien. Das Begräbnis fand im August am Wiener Zentralfriedhof statt, mit musikalischen Beiträgen u.a. von Martin Haselböck und Ernst Kovacic. Der September hatte es in sich: Das dreitägige Symposion Ernst Krenek – nicht nur Komponistfileadmin/user_upload/Features/folder_symposion_sept2016.pdf lockte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem In- und Ausland nach Krems (der Kongressbericht wird im Rahmen unserer Krenek-Studien bei Edition Argus erscheinen). Ebenfalls in Krems war das Ensemble die reihe mit selten gespielten Werken Kreneks zu erleben, im Krenek Forum konnte man sich mit Jürgen Schebera, Stefanie Wüst und Reinhard Schmiedel auf eine Zeitreise in die turbulenten 1920er Jahre begeben und bei der Gedenkfeier für Gladys in der Kremser Minoritenkirche erklang u.a. ihr Rondo für Flöte und Klavier.
In Schwerin startete das Internationale Festival Verfemte Musik in diesem Jahr mit einem deutlichen Krenek-Schwerpunkt.
Die neue oper wien brachte im Oktober eine Neuproduktion von Pallas Athene weint in der Regie von Christoph Zauner heraus – nie schien ein Werk aus den 1950er Jahren aktueller! Phantastisch, wenn dies der Anlass wäre, dass die Programmverantwortlichen sich einmal dem einen oder anderen von Kreneks über 20 Musiktheaterwerken zuwendeten …
Im November widmete die exil.arte-Serie Echo des Unerhörten Ernst Krenek ein Gesprächskonzert im Radiocafé des ORF.
Zum krönenden Abschluss des Krenek-Jahres bot das Wiener Konzerthaus im Dezember gleich vier ganz unterschiedliche Konzerte mit Werken Kreneks. Den Auftakt machten das ORF Radio-Symphonieorchester Wien und Ernst Kovacic mit dem 1. Violinkonzert op. 29, gefolgt vom Ensemble Federspiel und seiner hinreißenden Jonny-Bearbeitung. Das Berliner Sheridan Ensemble war mit einem reinen Krenek-Programm im Berio-Saal zu Gast und Florian Boesch gestaltete noch einmal einen Abend mit dem Reisebuch sowie ausgewählten Schubert-Liedern.

Das war ein phantastisches Jahr, für das wir uns bei allen mitwirkenden Musikerinnen und Musikern, Programmverantwortlichen und Veranstaltern noch einmal ganz herzlich bedanken möchten! Vielleicht hat ja der eine oder die andere Lust bekommen, auch jenseits von Gedenk- oder Jubiläumsjahren Krenek zu spielen?

Eine vollständige Liste aller Ereignisse des Krenek-Jahres 2016 gibt es hier.